Wahlprogramm 2009: Chancen durch Bildung
In Deutschland hängt Bildung immer noch viel zu stark von der sozialen und ethnischen Herkunft ab. Diesen Zusammenhang müssen wir aufbrechen. Die Zahl der Bücher im Regal der Eltern darf nicht länger den Bildungserfolg bestimmen. Unter Bildung verstehen wir mehr als reine Wissensvermittlung und gute PISA-Ergebnisse. Vielmehr hat Bildung vor allem mit sozialem Lernen und Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Bildung ist ein Prozess, in dem die Welt aktiv und verantwortungsvoll mitgestaltet wird.
Früher anfangen
Kinder müssen früh gefördert werden. Daher ist es neben dem Ausbau der Kinderbetreuungsplätze von größter Bedeutung, die Qualität der frühkindlichen Förderung zu steigern. Bündnis 90 / Die Grünen stehen für einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Bildung und Betreuung ab dem 1. Lebensjahr.
Die Sprache ist der Schlüssel, um die Welt zu verstehen, deshalb brauchen Kinder mit Sprachproblemen frühzeitige Unterstützung. Außerdem fordern wir, Kitas zu Familienzentren auszubauen, in denen Eltern Beratung und Unterstützung erhalten können - am besten schon während der Schwangerschaft.
Kurze Beine brauchen kurze Wege
Gerade für Kinder ist das soziale Netz im eigenen Ortsteil besonders wichtig. Hier finden sie sich allein zurecht, suchen sich ihre Freunde und gestalten selbstständig ihre Freizeit. Deshalb wollen wir Grünen im Interesse der Kinder die Schule im Dorf lassen. Die Einrichtung von Schulverbünden sehen wir als sinnvolle Möglichkeit, um dies zu erreichen.
Zusätzlich sollten kreative Nutzungsmodelle für nicht mehr benötigte Teilflächen in Schulen entwickelt werden, so dass noch andere Funktionen im Gebäude Platz finden.
Kein Kind zurücklassen
Jedes Kind muss mitgenommen, individuell gefördert und zu einem Abschluss geführt werden. Ein Schulsystem, das Kinder mit zehn Jahren auf „niedrige" und „höhere" Schulformen aufteilt und etwa 10 Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss entlässt, fördert Minderwertigkeitsgefühle, Frust und somit letztlich auch Gewalt. Kinder sollen länger gemeinsam und voneinander lernen. Eine neue Lernkultur, die auf jedes Kind besonders eingeht, stärkt sowohl die Leistungsstarken als auch die Schwächsten.
Wir Grünen fordern daher die Gemeinschaftsschule für Menden, die ein frühes Aussortieren der Kinder verhindert und längeres gemeinsames Lernen zum Ziel hat. Es geht uns nicht einfach darum, Schulformen abzuschaffen. Im Gegenteil: Die verschiedenen Schulformen sollen ihre Stärken in die neue Gemeinschaftsschule mit einbringen. Auf diese Weise können wir in Menden ein breit gefächertes Bildungsangebot trotz rückläufiger Schülerzahlen erhalten.
In Fröndenberg und Iserlohn gibt es sie längst, in Hemer wurde sie aufgrund des Elternwillens neu eingerichtet, nur in Menden lehnt eine Mehrheit sie aus ideologischen Gründen ab: Die Gesamtschule. So werden wir nun erleben, dass immer mehr Schüler aus Menden abwandern, wenn wir nicht selbst aktiv werden. Wir unterstützen daher alle Bemühungen Mendener Eltern, auch hier eine Gesamtschule einzurichten.
Ganztagsschulen bieten Zeit für mehr
Gute Bildungsangebote sinnvoll über den Tag verteilt können Bildungsdefizite abbauen und den starken Zusammenhang von sozialer Herkunft und Schulerfolg durchbrechen. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund, leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler, aber auch besonders Begabte profitieren davon. Diese Anforderungen vereinen die Ganztagsschulen, deren flächendeckende Einführung von den Grünen im Landtag initiiert wurde. Die Kinder erhalten hier unabhängig von ihrer sozialen Herkunft eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenbetreuung und bis in den Nachmittag durch Kooperationen mit Sportvereinen, Musik- und Theatergruppen, Handwerkern und Künstlern ein gutes Freizeitangebot. Wir fordern daher, den begonnenen Ausbau der Ganztagsschulen in Menden mit Schwung fortzusetzen.
Schulwege erleichtern
Die Fahrtkosten, auch für Schüler, sind so hoch, dass sich immer mehr Menschen keine Fahrkarte für ihre Kinder leisten können. Insbesondere bei mehreren Geschwisterkindern kommen sehr hohe Kosten zustande. Das heißt. Wer arm ist, muss laufen, ob sich der Weg eignet oder nicht.
Wir Grünen haben Schulwegbegehungen hinter uns, die sehr anstrengend waren: Ohrengetäubender Lärm von vorbeidonnernden LKW, Staub und Abgase oder auch sehr einsame und dunkle Wege, wo ängstliche Kinder ihre Not haben. Eine ganze Stunde Schulweg zu Fuß mit einem schweren Tornister auf dem Rücken sind zu viel. Hier wollen wir eine flexiblere Handhabe bei der Fahrkostenerstattung.
Schüler und Schulen brauchen gute Beratung
Derzeit gibt es nur an den Hauptschulen eigene Stellen für die Schulsozialarbeit. Die Erfahrungen damit sind sehr positiv: Schüler und Eltern finden einen professionellen Ansprechpartner außerhalb der Lehrerschaft, aufkommende Probleme können frühzeitig angesprochen und angepackt werden. Wir fordern, dass auch an den anderen weiterführenden Schulen und den Förderschulen Schulsozialarbeiter zum Einsatz kommen, um unterstützend, beratend und präventiv tätig zu werden.
Für den Schulpsychologen fordern wir die Ausweitung auf eine volle Stelle, damit er regelmäßig an den Schulen feste Sprechzeiten anbieten kann, um Lehrer und Schüler gleichermaßen zu unterstützen.
Der Anteil von Schülern ohne Schulabschluss steigt. Die Stadt Menden muss sich das Ziel setzen, jedes Kind zu einem Schulabschluss zu bringen. Dafür sind Instrumente zu entwickeln und Förderprogramme zu nutzen, um auch diesen jungen Menschen eine Zukunftschance zu bieten.
Schüler brauchen gerade im Übergang von der Schule in den Beruf besondere Unterstützung, immerhin geht es hier um Entscheidungen für's Leben. Dies umfasst sowohl die Stärkung von Kompetenzen und Hilfe bei Defiziten wie auch eine Unterstützung bei der Berufswahl und Bewerbung. Städtische Angebote (Förderband, Angebote der Kluse) müssen erhalten und die Kooperation mit der heimischen Wirtschaft ausgebaut werden.
Vernetzt betreuen
Bildungseinrichtungen müssen untereinander besser zusammenarbeiten, insbesondere beim Übergang von der KITA in die Grundschule oder bei Schulwechseln. Enge Netzwerke von Schule, Jugendamt, Sozialbehörden, Polizei und Justiz sind nötig, um bei Problemfällen adäquat und zeitnah handeln zu können. Verschiebebahnhöfe darf es hier nicht geben. KITAs und Schulen sind aufgerufen, sich in ihren Stadtteil hinein zu öffnen und Jugendarbeit, Vereine, Musik- und Kunstschulen, weitere Bildungsträger, Senioren, Handwerk. einzubeziehen. Beide Seiten müssen hier aufeinander zugehen und die Ganztagsschule als Chance für ein engeres Zusammenwirken zum Wohle der Kinder und Jugendlichen begreifen.
Mehr Männer in Kitas und Grundschulen
Besonderes Augenmerk muss auf männliche Bildungsverlierer gerichtet werden. Jugendgewalt ist überwiegend männlich - sowohl was die Täter als auch was die Opfer angeht. Vielen Jungen fehlen positive männliche Vorbilder. Auch in KITA und Grundschule treffen sie fast ausschließlich auf weibliche Pädagogen und können auch hier nicht von positiven männlichen Identifikationsfiguren lernen. Wir brauchen deshalb mehr Männer in KITAs und Grundschulen und eine stärkere Rollenreflektion aller Erziehungskräfte in den Einrichtungen.
Hier können Sie das komplette Wahlprogramm 2009 als PDF (ca 1.5MB) herunterladen.
